Bifteki und Köfte

von Manuel Wassenberg

Seit unserem letzten Bericht ist viel Zeit ins Land gegangen, da es im Hinblick aufs Radeln einfach nicht sonderlich viel zu berichten gab. Wieso also etwas schreiben? Grund hierfür war eine längere Pause in Athen, bei der vor allem die Beine hochgelegt, ordentlich geschlemmt und die Fahrräder gnadenlos in die dunkle Garage verbannt wurden. Seit gut einer Woche sind wir jedoch wieder auf den Beinen bzw. den Pedalen und haben mittlerweile die Touristenhochburgen Antalya und Alanya durchquert.

Nach einem entspannten Strandtag bei Igoumenitsa folgten wir zunächst der malerischen Küste Westgriechenlands. Malerisch, da man alle paar Kilometer mit Blicken auf eine neue Bucht mit klarem türkisblauem Wasser belohnt wird. Das Beste ist aber, dass die Region nicht überlaufen ist. Stellenweise fuhren wir nahezu allein über die kleinen Küstenstraßen und passierten kleine Strände, auf denen weit und breit kein Mensch zu sehen war. Dass es uns im Urlaub noch einmal hierhin verschlagen wird – gut möglich! Die nachfolgenden Bilder sagen aber mehr!

Kurz vor Preveza fiel uns auf, dass unsere Route (EV8 - eine offizielle europäische Radroute!) durch einen mautpflichtigen Unterwassertunnel führt. Eine kurze Internetsuche brachte schnell das Ergebnis, dass Fahrräder hier streng verboten sind. Radfahrer, die versuchten den Tunnel trotzdem zu durchqueren, wurden dank Videoüberwachung zügig erkannt und noch im Tunnel von der Straßenwacht abtransportiert. Die inoffizielle Lösung: Einfach vor der Eingangskamera winken und wenige Minuten später würde ein Pickup kommen und die brav Wartenden kostenfrei durch den Tunnel chauffieren. Nunja, bis auf das „wenige Minuten später“ und einem zusätzlichen Telefonat mit der Betreibergesellschaft des Tunnels kam dann tatsächlich wie beschrieben ein Transporter und brachte uns durch den Tunnel. Ziemlich bescheuert, denn dieser ist gut ausgeleuchtet, breit angelegt und nur wenig befahren. Aber gut, man muss nicht alles verstehen.

Die weiteren Kilometer bis Athen gingen zügig vorüber. Herrliches Wetter, schöne Landschaften, gute Straßen und köstliches Essen. Apropos Essen. Helge Schneider sagte einmal: „Wenn jemand sich für die griechische Küche interessiert und gerne griechisch isst, dann ist der in Griechenland an der richtigen Adresse!“ Der Mann bringt es wie so häufig auf den Punkt. Zweieinhalb Wochen Griechenland gingen Hand in Hand mit zweieinhalb Wochen herrlicher Völlerei. So war bei Abreise aus Athen von unserem hart erarbeiteten Gewichtsverlust leider nicht mehr viel übrig.

Nachdem sich unser Besuch aus Deutschland nach einigen Strandtagen und Stadtbesuchen peu à peu verabschiedete, galt es sich langsam wieder der Tourenplanung zu widmen. Beim Studium der Fährverbindungen in die Türkei fiel dabei auf, dass es zum Zeitpunkt unserer Abreise keine direkten Fährverbindungen von Festland-Griechenland in die Türkei gab. Man muss also immer über eine Insel fahren und dort umsteigen. Hier wählten wir nach einigem Hin und Her für die Überfahrt die Strecke Piräus-Rhodos-Fethiye aus. So ließen sich zum einen einige Kilometer in der Türkei einsparen (in der sind wir noch lang genug) und wir bekamen die Möglichkeit, die auch bei uns Deutschen so beliebte Urlaubsinsel zu besuchen.

Letzteres hätten wir uns aber sparen können: Schon nach wenigen Kilometern auf der stark befahrenen Küstenstraße war klar, dass sich Rhodos (und hier können wir nur für den äußersten Norden sprechen) ganz auf den Tourismus ausgerichtet hat. Eine Bettenburg reiht sich hier an die nächste; Pubs für die Briten – Pelzgeschäfte für die Russen. Otlitschno! Dabei hat die weit entfernte Insel im Vergleich zu unseren ersten Tagen in Griechenland landschaftlich nichts Zusätzliches zu bieten. Sogar eher weniger – die Insel ist heiß und karg. Die Krönung ist schließlich Rhodos-Stadt – ein großer eingemauerter Souvenirladen. Bestens aufgestellt, um die einströmenden Massen an Kreuzfahrttouristen mit beschissenen Labrador-T-Shirts, überdimensionierten Penisflaschenöffnern sowie „griechischer Gastfreundschaft“ in einer der vielen „Authentic Greek Taverns“ zu versorgen. Der Abschied beim Betreten der Fähre nach Fethiye fiel daher nicht sonderlich schwer.

Nach knapp zwei Stunden auf der Fähre waren wir also in der Türkei, die für uns beide nicht ganz unbekannt ist. Arne war noch dieses Jahr in Istanbul; 2014 fuhren Pavel und ich entlang der türkischen Schwarzmeerküste nach Georgien. Damals mit gemischten Erfahrungen. Wie wird sich dieses Mal dieses riesige und vielseitige Land präsentieren?

Zum jetzigen Stand können wir fast nur Gutes berichten. Die Küstenstraße ist zwar in einigen Abschnitten sehr stark befahren und verlangt bei widerlich hoher Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen alles von uns ab – dafür hat man oft das Gefühl in einem Urlaubsparadies herumzuradeln. Steile Küsten, blaues Meer, viele Strände. Das macht Spaß – verlangt aber jeden Abend zwingend eine kalte Dusche, die wir bisher aufgrund der zahlreichen öffentlichen Strände immer bekommen haben. Für Europäer ein weiterer Pluspunkt: Die aktuell schwache Lira. Vieles wird hierdurch momentan sehr erschwinglich und man kann sich ohne schlechtes Gewissen an Tankstellen oder Kiosken reichlich mit kalten Getränken oder Eis eindecken.

Ab Antalya wurde es dann merklich touristischer und gipfelte schließlich in einem über 100 Kilometer langen Hotelanlagenabschnitt, der sich über weite Teile der Küstenlinie zieht. Die türkische Riviera. Hier jagt ein architektonischer Fehltritt den nächsten. Manchmal trafen sich die verdutzten Blicke der Urlauber mit den Unseren – können Sie nicht verstehen wieso wir uns mit den Fahrrädern durch die Hitze quälen, und wir wiederum nicht, wie man sich 10 Tage lang all-inclusive in einen Betonklotz karren lassen kann. Vorlieben sind eben verschieden.

Vorgestern trafen Arne und ich bei Decathlon schließlich die ersten Reiseradler, die ebenfalls Asien ansteuern. Joseph und Antoine aus Frankreich fahren nach Australien – ab Georgien jedoch auf einer anderen Route über Zentralasien. Prompt fuhren wir nach ein wenig Schnacken einen Tag mit ihnen zusammen und kampierten an einem kleinen See abseits der Hauptstraße. Die zwei bogen aber nach einem gemeinsamen Abendessen bereits gestern ins Landesinnere ab, um noch einen Teil der Schwarzmeerküste zu sehen. Dass wir uns aber nochmal in Georgien treffen, ist recht wahrscheinlich.

Wie genau wir weiter nach Tiflis fahren steht noch nicht ganz fest. Entweder wir bleiben bis Mersin der Küste treu oder fahren ebenfalls in den nächsten Tagen in die Berge, wo wir auf kühlere Tage und Nächte hoffen. Bis Tiflis sind es noch rund 1700 km, von denen ganze 1500 km lediglich auf die Türkei entfallen – was ein großes Land! Da wir spätestens am 23. Juli in den Iran eingereist sein müssen und einige Tage in Georgien verbringen möchten, werden wir in den kommenden Tagen fleißig am Vorankommen arbeiten. Das wird anstrengend, denn die Türkei ist nicht nur groß, sondern hält auch den ein oder anderen Hügel parat!

Anbei noch ein paar „Lessons learned“ auf Basis zahlreicher Erfahrungen, Gespräche und Diskussionen. Diese sind schwer im Text unterzubringen, sollen aber nicht unerwähnt bleiben.

  • Kiwis lassen sich gut mit Schale essen. Bananen und Wassermelonen mit Schale sind okay, werden sich aber u. E. n. so nie durchsetzen. Orangen gehören geschält – wirklich!
  • „Coperto“ in italienischen Restaurants ist eine melodisch klingende Abzocke.
  • Katzen sind cooler als Hunde.
  • Scombro (Makrele) aus der Dose schmeckt hervorragend, besonders mit Frischkäse.
  • Möhren sind ungekocht scheisse. (Seit zwei Wochen essen wir jeden Tag eine Möhre. Sie werden trotzdem nicht besser.)
  • Türkische Musik ist ätzend.
  • Auf einen heißen türkischen Tee eingeladen zu werden ist bei weitem nicht so cool, wie auf ein kaltes Bier eingeladen zu werden.
  • Mayonnaise ist eine tolle Sauce, die zu fast allem passt.

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Kommentar von Cedric, Mona und Amalia |

Sehr schöne Storys, wie lechzten nach mehr;) beste Gute Nacht Geschichten für die kleine Maus... LG aus Lintorf